Author Archives: Städtisches Museum Göttingen

19. Oktober 2018

Vorgestellt – Die Museumsverwaltung

Diese Woche möchte ich zwei Personen vorstellen, die einen wesentlichen Beitrag für den reibungslosen Ablauf des täglichen Museumsbetriebs leisten. Christiane Grap und Georg Beume behalten immer den vollen Überblick über Museumsgebäude, Personal, Finanzen, Termine und vieles mehr. Dabei bleiben sie stets bescheiden und agieren meistens im Hintergrund des Geschehens. Was täten wir nur ohne unsere Museumsverwaltung?!

Frau Grap, Herr Beume, was sind jeweils Ihre Aufgaben hier im Museum?

C. Grap: Unter anderem kümmere ich mich um die Beschaffung. In Absprache mit den Museumsmitarbeitern sorge ich also dafür, dass alles da ist, was wir zum Arbeiten brauchen – von Papier und Stiften über säurefreies Verpackungsmaterial oder Überschuhen für das Depot bis hin zu den unterschiedlichsten Dingen, die für Ausstellungen benötigt werden. Außerdem verwalte ich die Rechnungen, dokumentiere Übernahmen und Aussonderungen von Objekten, behalte den Überblick über wichtige Termine und kümmere mich um die Post. Darüber hinaus nehme ich Lob und Kritik der Besucher am Telefon und per E-Mail entgegen.

G. Beume: Meine Arbeitsbereiche sind die Personalverwaltung, die Hausverwaltung und die Verwaltung des Fotoarchivs. Unter Hausverwaltung fällt fast alles, was mit der Wartung und Instandhaltung des Gebäudes zu tun hat. Wenn etwas repariert werden muss, vereinbare ich Termine mit Handwerkern. Ich achte darauf, dass die Brandschutzverordnung eingehalten wird und technische Geräte regelmäßig gewartet werden. Außerdem nehme ich Anfragen von Forschern und Privatpersonen entgegen, die eine Fotografie aus unserem Fotoarchiv benötigen. Manchmal kann ich das gewünschte Foto gleich einscannen und per E-Mail verschicken. Wenn es sich um eine sehr umfangreiche Anfrage handelt, vereinbare ich mit der interessierten Person einen Termin, an dem sie die Möglichkeit erhält, selbst im Fotoarchiv zu forschen.

Wie lange sind Sie jeweils schon im Museum tätig?

C. Grap: Seit Februar 2013. Davor habe ich bereits lange im Stadtarchiv der Stadt Göttingen gearbeitet.

G. Beume: Seit Januar 2016.

Was macht die Verwaltungsarbeit in einem Museum für sie besonders?

C. Grap: Neben der üblichen Verwaltungsarbeit, wie sie eben auch in ganz „normalen“ Unternehmen gemacht wird und die mir sehr viel Spaß macht, bekomme ich hier zusätzlich auch vielfältige Einblicke in ganz andere Arbeitsbereiche. Das geschieht zwangsläufig durch die enge Zusammenarbeit mit allen Kollegen und wenn mal „Not am Mann – oder der Frau“ ist, übernehme ich auch Sonderaufgaben, die manchmal eher weniger mit Verwaltungsarbeit zu tun haben.

G. Beume: Ja, das ist die Besonderheit. Wir sind die Schnittstelle zwischen der Stadtverwaltung und dem Museum. Unsere Aufgabe ist es, den Bogen zwischen Museumsarbeit und Verwaltungsarbeit zu schlagen. Eine dieser besonderen Aufgaben ist für mich die Verwaltung des Fotoarchivs. Das mache ich sehr gerne, da ich hier auch selbst immer wieder auf interessante Motive aus der Göttinger Geschichte stoße.

Welche Sonderausstellung im Städtischen Museum hat Ihnen bisher am besten gefallen und wieso? Haben Sie ein Lieblings-Objekt?

C. Grap: Ich kann mich da gar nicht entscheiden. Obwohl ich privat am liebsten Ausstellungen Moderner Kunst besuche, habe ich die Entstehung jeder Sonderausstellungen, die ich am Städtischen Museum bisher mitbekommen habe, mit Spannung verfolgt. Und jedes Thema wurde, meiner Meinung nach, bisher sehr gut umgesetzt. Mein Lieblingsobjekt ist sehr groß – es ist nämlich unsere umfangreiche und zum Teil sehr alte Museumsbibliothek.

G.Beume: Mir hat bisher die Ausstellung Barbara 1964 am besten gefallen. In Göttingen wussten viele vorher nicht, welche Bedeutung das Göttingen-Lied für die deutsch-französische Freundschaft hat und dass es in Frankreich so populär ist. Das hat sich mit der Ausstellung geändert. Für ein Lieblingsobjekt  kann ich mich nicht entscheiden. Ich arbeite, wie gesagt, sehr gerne im Fotoarchiv, staune aber auch immer wieder über die Objekte, die in den anderen  Magazinen und Depots bewahrt werden. Mir gefällt zum Beispiel die umfangreiche Sammlung unterschiedlichster zum Teil sehr skurriler Kopfbedeckungen im Textilmagazin.

(Das Interview mit Christiane Grap und Georg Beume führte Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

12. Oktober 2018

Atatürk in Weende!?

Mustafa Kemal Pascha genannt Atatürk war eine der Persönlichkeiten, die die Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend prägten. Er war es, der auf den Trümmern des Osmanischen Reiches die moderne Türkei schuf und sie durch radikale, oft brutal umgesetzte Reformen zu einem säkularen Nationalstaat formte. Sehr unwahrscheinlich ist es, dass Atatürk, der „Vater der Türken“, auch nur den Namen der Stadt Göttingen kannte. Und nun soll er gar den Ort Weende mit seiner Anwesenheit beehrt haben? Und doch hält sich in Weende beharrlich exakt dieses Gerücht. Genauer gesagt: Atatürk sei im Gasthaus Koch, vielen Weendern und Göttingern auch heute noch bekannt, abgestiegen. Fake news oder historische Tatsache?

Diese Frage beantworten die Archive. Dort, im Stadtarchiv Göttingen, liegt das Gästebuch des Gasthauses Koch. Und darin findet sich tatsächlich ein Eintrag vom 10. März 1936 von einem Mostafa Kemal „Pascha“ – einmal in arabischer Schrift und einmal auf Deutsch. Schnell wird klar: Atatürk kann es nicht gewesen sein. Er weilte zu dieser Zeit nachweislich in Ankara. Wer hat aber dann zu später Stunde im Gasthaus Koch gefeiert?

Eine Nachfrage im Universitätsarchiv bringt die Lösung an den Tag. An der Universität Göttingen war von 1934 bis 1936 ein „Mostafa Kamel“ immatrikuliert, der allerdings nicht aus er Türkei, sondern aus Kairo stammte. Dazu passt, dass das Arabisch auf eine ägyptische Herkunft des Einträgers schließen lässt. „Kamel“ statt „Kemal“: Das ist eine nachvollziehbare Verschreibung eines fremden Namens. Dieser Name wiederum ist typisch türkisch.

Nun geht der Weg zurück ins Stadtarchiv. Dort findet sich tatsächlich die Einwohnermeldekarte von Herrn Mustafa Kemal. Er wurde am 22. Februar 1908 in der ägyptischen Stadt Tanta im Nildelta geboren. Am 28. Oktober 1934 kam er von Berlin nach Göttingen, studierte hier Geophysik und wohnte zunächst Friedländer Weg 11, ab dem 7. Januar 1935 Hoher Weg (heute Hermann-Föge-Weg) 7. Ende 1936 ist er offenbar in die belgische Hauptstadt  Brüssel  weitergereist. Bei Mustafa Kemal scheint es sich folglich um einen türkischen Bürger des ehemaligen Osmanischen Reichs gehandelt zu haben, der in der vormaligen osmanischen Provinz Ägypten lebte und nach dem Untergang der Herrschaft des Sultans dort „hängen geblieben“ ist. Für seine kulturelle Prägung als Türke spricht auch, dass sein Arabisch einfach und fehlerhaft ist. Bei dem feucht-fröhlichen Abend im Gasthaus Koch war die Namensgleichheit mit Atatürk wohl ein willkommener Anlass, ihm spaßeshalber den Ehrentitel Pascha zu verleihen. Die ironischen Anführungszeichen weisen darauf hin.

Nicht Atatürk war also in Weende, aber er war hier wie auch sonst im nationalsozialistischen Deutschland sehr populär. Das weitere Schicksal von Mustafa Kemal aus Ägypten werden wir vielleicht nie erfahren. Sicher ist aber, dass er als Zeitzeuge die bewegte Geschichte des türkischen Volkes und des Nahen Osten im 20. Jahrhundert erlebt hat.

Und sicher ist auch: Archive sind die Garanten der historischen Wahrheit gegen fake news aller Art!

Abb. 1: Eintrag im Gästebuch des Gasthauses Koch: „Es freut mich zu erzählen zu dieser späten Stunde um h 1.35 dem zehnten März 1936 im Lokale „Mutter Koch“ zu Wenden, daß mein Freund „Willi Hermann Köller“ mit seiner netten Gesellschaft mich zu diesem Kegelabend eingeladen hat. Ich wünsche allen ein glücklichen Abend und eine schöne Zükünft.“ Mostafa Kemal „Pascha“. Der Eintrag erfolgte in lateinischer Schrift statt der damals in Deutschland üblichen „ Sütterlinschrift“). Außerdem gleichen sich die Schrift des Textes und die Unterschrift. Dies deutet darauf hin, dass der Eintrag von Mustafa Kemal selbst stammt, der also des Deutschen mächtig gewesen sein muss. Ob das Wort „Zükünft“ ein echter Fehler oder aber eine ironische Anspielung auf die Vorliebe des Türkischen für den Ü-Laut ist, muss offen bleiben.; Abb. 2: Einwohnermeldekarte von Mustafa Kemal

(Ernst Böhme, Museumsleiter)

05. Oktober 2018

Depotentdeckungen

Das Otfried-Müller-Haus

Ein Besuch im Museumsdepot ist immer wieder spannend. Neulich entdeckte ich ein wunderschönes Holzhäuschen, das irgendwie sehr vertraut wirkte. Kein Wunder, denn es handelt sich um das Haus, in dem heute das Junge Theater (JT) und das Kulturzentrum KAZ untergebracht sind. Diese Miniaturausgabe des 1836 am Wochenmarkt errichteten Otfried-Müller-Hauses war vermutlich Teil eines sogenannten Christgartens – einer regionalen Form der Landschaftskrippe. Was es mit den Christgärten auf sich hat, ist noch kaum erforscht. Zu klären wäre vor allem, wie alt und wie verbreitet diese Tradition in Göttingen war. Abgesehen von einigen wenigen Details und der veränderten Farbgebung zeigt das Modell das Otfried-Müller-Haus im Zustand vor dem 1856/57 erfolgten Anbau eines Veranstaltungssaals durch Friedrich Doeltz.

Das Otfried-Müller-Haus ist das einzige unter Denkmalschutz stehende klassizistische Gebäude in der ansonsten vorwiegend mittelalterlich geprägten Göttinger Innenstadt. Es wurde vom Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns als Wohnhaus für den Altphilologen und Begründer der Klassischen Archäologie und Alten Geschichte Karl Otfried Müller (1797-1840) und seine Familie erbaut. Die Entwürfe stammen von Müller selbst. Das Haus in klassizistischer Manier mit seinen freistehenden Dorischen Säulen, auf denen zwei breite Balkone ruhen, galt damals schon als ungewöhnlich.

Nach Müllers Tod wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt und schließlich 1903 an die Stadt verkauft. Seit 1975 wird es vom JT und dem KAZ genutzt.

Im nächsten Jahr wird das Otfried-Müller-Haus mit Unterstützung der Bundesregierung saniert und für den Kulturbetrieb erweitert werden.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

14. September 2018

Abschied von Frau Schrader

Rückblick auf 22 Jahre im Museum

Diese Woche verabschieden wir uns von einer langjährigen Mitarbeiterin des Museums. Unsere liebe Kollegin Heidemarie Schrader geht in den Ruhestand. Grund genug, einmal zurückzublicken auf volle 22 Jahre Dienstzeit im Städtischen Museum.

Heidemarie Schrader ist den meisten regelmäßigen Museumsbesuchern bekannt, denn sie empfängt jeden einzelnen mit einem freundlichen Lächeln an der Museumskasse. Bevor sie ins Museum kam, war sie als Köchin, Küchenleitung und stellvertretende Heimleitung in zwei Seniorenheimen der Stadt Göttingen tätig. Aus gesundheitlichen Gründen wurde sie 1996 ins Museum versetzt. Hier übernahm sie nicht nur die Rolle der Museumsaufsicht, sondern ließ sie sich auch zur psychologischen Beraterin weiterbilden. Frau Schrader erinnert sich gern an die vergangenen zwei Jahrzehnte. Die Zeit im Museum empfindet sie als große Bereicherung. Besonders die wechselnden Sonderausstellungen seien toll gewesen, sagt sie. Sie habe bei jeder einzelnen Ausstellung etwas Neues gelernt und könne sich nur schwer entscheiden, welche ihr am besten gefallen habe. In ihre persönliche „Top 3“ kommt, neben dem absoluten Favoriten „Tod, Bardo und Wiedergeburt im tibetischen Buddhismus“, auch die Sonderausstellung „Auf Schienen durch die Zeit“, für die im Museum eine echte Lokomotive der Gartetalbahn aufgestellt wurde. Sehr faszinierend fand sie auch eine Kunstausstellung der sehbehinderten Künstlerin Jutta Kaul, die nur aus ihrer Erinnerung malte. Ein Highlight sei für Sie außerdem der bis vor 10 Jahren regelmäßig im Städtischen Museum stattfindende Kunsthandwerkermarkt gewesen.

Für den Ruhestand hat sich Frau Schrader einiges vorgenommen. Unter anderem möchte sie eine Ausbildung zur systemischen Familienberaterin machen und als ehrenamtliche Richterin am Landgericht arbeiten. Das Museum wird sie aber trotzdem vermissen, sagt sie. Besonders der tägliche Austausch mit den Kollegen, die sie über die Jahre in ihr Herz geschlossen hat, wird ihr fehlen.

Wir wünschen Frau Schrader viel Freude beim Aufbruch zu neuen Ufern und werden sie hier auch sehr vermissen!

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

07. September 2018

Museum goes Stadtarchiv

Von Ordnungsprinzipien und schlummernden Geschichten

Das Stadtarchiv ist für die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Städtischen Museums ein oft und gern besuchter Ort. Denn Forschung ist im Museum häufig ohne die im Archiv bewahrten Informationen nur bedingt möglich. Während das Museum vor allem historisch oder künstlerisch wertvolle Gegenstände bewahrt, behütet das Archiv die passenden Geschichten. Von Zeitungen und Stadtplänen über Briefe und Nachlässe bis hin zu einzigartigen historischen Urkunden und Akten vom 13. Jahrhundert an bis in die Gegenwart hat das Stadtarchiv so einiges zu bieten, was das Forscherherz höher schlagen lässt.

Dabei ist es nicht ganz so einfach, vom Museum ins Archiv zu wechseln – und umgekehrt wahrscheinlich auch nicht. Davon konnte ich mich während eines einwöchigen Praktikums im Göttinger Stadtarchiv überzeugen. Besonders knifflig ist das Ordnungsprinzip. Im Museum arbeiten wir überwiegend mit einer Sachkartei. Das bedeutet, dass wir die Objekte nach ihrem Verwendungszweck ordnen, statt nach ihrer Herkunft. Im Archiv ist es genau anders herum. Hier herrscht das Provenienzprinzip. Denn Bestände einer Herkunft dürfen im Archiv nicht getrennt werden, da so Entstehungszusammenhänge verloren gehen könnten. Das würde der wissenschaftlichen Forschung wichtige Erkenntnischancen rauben.

Das macht die Recherche im „Gedächtnis der Stadt“ zwar zum Teil etwas komplizierter. Der Reiz dabei ist aber, dass schon ein kleiner Forschungsauftrag eine Fülle lange Zeit in den Archivregalen vor sich hin schlummernder Geschichten zu Tage bringen kann und damit auch unerwartete Erkenntnisse und Verknüpfungen – oder einfach das wohlige Gefühl, ein Fenster in die Vergangenheit zu öffnen.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

31. August 2018

Goodbye ’68…

Bald ist es leider soweit: Wir müssen uns am Montag, den 3. September, von unserer Sonderausstellung Klappe auf! Ausstellung zur 1968er Bewegung in Göttingen verabschieden. Denn die Vorbereitungen für die nächste Sonderausstellung Der rote Sonnabend 1918. Facetten & Folgen der Novemberrevolution in Göttingen sind schon in vollem Gange!

Wir blicken zurück auf 3 ½ erfolgreiche Monate mit anregenden Vorträgen und Diskussionsrunden und vielen zufriedenen Besuchern. Als besonders positiv haben wir diesmal den regen Austausch mit Zeitzeugen wahrgenommen, bei denen der Besuch der Ausstellung oft schon vergessene geglaubte Erinnerungen wachgerufen hat, die sie gerne mit uns teilten. Aber auch zahlreiche jüngere Menschen zeigten Interesse an dieser spannenden Zeit, von deren Auswirkungen sie unmittelbar betroffen sind. So konnten wir auch wieder viele Schülergruppen im Museum willkommen heißen.

Sie haben die Ausstellung noch nicht gesehen? Bis Sonntag, den 2. September, haben Sie noch die Möglichkeit! Zum Abschluss hält an diesem Tag um 15:00 Uhr der Göttinger Germanistik-Professor Gerhard Kaiser einen Vortrag zum Thema „Younger than yesterday“? 1967/68 als Schaltjahre der Popmusik. Der Vortrag findet im Veranstaltungsraum des Museums statt.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

17. August 2018

 „Bei Abraham zu Gast“

Am vergangenen Sonntag fand im Museum zum 9. Mal das Abrahamsfest statt. Bei strahlendem Sonnenschein, herrlicher Musik und köstlichen Speisen aus verschiedenen Kulturkreisen feierten wir das friedliche Miteinander unterschiedlicher Religionsgemeinschaften und Kulturen in unserer Stadt.

Bereits seit 2010 ist das Städtische Museum für den Runden Tisch der Abrahams-Religionen ein Ort der Begegnung. Im „Raum der Religionen“ werden die in Göttingen vertretenen Religionsgemeinschaften vorgestellt und die drei großen Abrahamitischen Religionen – das Judentum, das Christentum und der Islam – anhand von Schlüsselobjekten erläutert. So wird ein verständnisvolles Miteinander unterstützt und die Integration von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen gefördert.

Das diesjährige Abrahamsfest wurde von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde, der muslimischen DITIB-, Al- Taqwa- und Medina-Imam- Gemeinde und den christlichen Gemeinden des röm.-katholischen Dekanates, bzw. Ev.-luth. Kirchenkreises organisiert. Eingeladen waren Göttinger Bürger aller Religionen und Nationalitäten. Für gute Stimmung sorgte die christliche Gruppe „Lean On Me“ unter der Leitung von Rüdiger Brunkhorst. Ein intensiver interreligiöser Austausch erfolgte spätestens bei der Suche nach Antworten für das garnicht so einfache interreligiöse Quiz oder auch am üppigen – und wie immer hervorragendem – interkulturellem Buffet. Der Erlös aus dem Verkauf kommt dem Projekt „Hospiz an der Lutter“ zugute.

Abb.1: Impression aus dem „Raum der Religionen“; Abb.2: Auftritt der christlichen Gruppe „Lean on me“; Abb.3: Das Buffet ist eröffnet!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

 

 

 

10. August 2018

„Grüße aus Nah und Fern“

Wann haben Sie zuletzt eine Postkarte geschrieben? Vielleicht erst letztens am Strand als Urlaubsgruß an die Lieben zuhause? Oder ist das „oldscool“? Viele dürften das meinen, denn es werden immer weniger Postkarten verschickt. Dabei ist der Charme einer handgeschriebenen Karte kaum durch digitale Produkte der heutigen Zeit zu übertreffen. Grund genug, sich dieses leider aussterbende Medium und dessen Geschichte einmal genauer anzusehen.

Eine Fülle anschaulicher Objekte bietet die Postkartensammlung des Museums. Bei den meisten hier bewahrten Postkarten handelt es sich um kulturhistorische Dokumente, die uns sehr viel mehr verraten, als den liebsten Urlaubsort des Absenders. Besonders interessant sind die Postkarten um 1900, der Blütezeit dieses Mediums. Die ersten Postkarten, die sogenannten Correspondenzkarten, hatten eher wenig mit Urlaubsreisen zutun. Mangels Telefon oder Internet waren sie schlichtweg ein gern genutztes Kommunikationsmittel – eine Möglichkeit, Verabredungen zu treffen oder sich über die neusten Ereignisse auszutauschen. Diese zunächst bilderlosen kleinen Kärtchen wurden in den Gebieten des Deutschen Bundes 1870 eingeführt, um den Postbetrieb zu vereinfachen. Auf der Vorderseite stand lediglich die Adresse des Empfängers, während die Rückseite für kurze Mitteilungen frei war. Besonders während des deutsch/französischen Krieges 1870/71 war diese Art von Feldpost beliebt.

Immer öfter entstanden auch Zeichnungen auf den Postkarten und schließlich wurden bebilderte Postkarten mit Zeichnungen, Kupferstichen oder Fotografien bald serienmäßig gedruckt. Der Göttinger Theologie-Student Ludolf Parisius zeichnete die erste Landschafts-Ansichtskarte, deren Beliebtheit durch den zunehmenden Tourismus und die Gründung des Weltpostvereins 1878 rasant stieg. Um 1900 besaß fast jeder gutbürgerliche Haushalt ein Postkartenalbum, in dem die Kärtchen aufbewahrt wurden. Die Postkarten zeigen typischerweise Sehenswürdigkeiten des Aufenthaltsortes des Absenders oder sind mit Darstellungen von Ereignissen die dort stattfinden, illustriert. Auch die Mitteilungen auf den Postkarten sind, wie die gewählten Motive, von großem kulturhistorischem Wert, da sich an ihnen ablesen lässt, was die Menschen ihrerzeit beschäftigte und wie sie ihre zwischenmenschlichen Beziehungen gestalteten.

Abb. 1: Postkarte „Grüße aus Göttingen“, 1889: Auf den ersten Bildpostkarten war wenig Platz für persönliche Mitteilungen, da die andere Seite der Adresse vorbehalten war. Die Verfasserin dieser Nachricht nutzt die vorhandene Fläche für ihre gereimte Botschaft maximal aus.

Abb. 2: Postkarten-Sammelalbum, 1911

Abb. 3., 4.: Häufig illustrieren Fotografien bedeutender (und manchmal auch skurriler) Ereignisse die Postkarten. Die 1905 verfasste Postkarte auf Abb. 3. ist mit einer Fotografie eines der ersten Autos in Göttingen illustriert. Es gehörte dem späteren Physiknobelpreisträger Walter Nernst, der auch selbst am Steuer sitzt. Auf der 1910 verfassten Postkarte in Abb. 4 wird über den unfreiwilligen Heißluftballonaufstieg des Gefreiten Storch berichtet, der in Göttingen vom Hochlasstau mitgerissen wurde, glücklicherweise aber wohlbehalten in Reyershausen landen konnte.

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

20. Juli 2018

Abenteuer Archäologie: Die Altsteinzeit entdecken!

Am nächsten Freitag wird das Museum zur Ausgrabungsstätte. Im Rahmen der diesjährigen Ferienpassaktion werden Kinderträume wahr. Die Teilnehmer dürfen die Ärmel hochkrempeln und sich selbst als Archäologen betätigen. Mit Hilfe unterschiedlicher Werkzeuge  bekommen Kinder von 5-12 Jahren die Gelegenheit, die Altsteinzeit aktiv zu entdecken.                                                      Die Altsteinzeit ist die älteste und längste Phase in der Geschichte der Menschheit. Museumspädagogin Manuela Wengelnik erklärt, was der Name bedeutet und woher wir unsere Kenntnisse über diese spannende Zeit haben…

 

 

 

 

 

27. Juli 2018, 15:00-17:00 Uhr                                                                                                           Die Teilnahme ist kostenfrei.                                                                                                              Um Anmeldung wird gebeten: 0551 400-2843 oder museum@goettingen.de