22. März 2019

Wir sind nicht allein!

Blick in einen der Depoträume

Ein Hauptarbeitsfeld des Museums ist das Depot. Hier werden alle Objekte, die nicht in der Ausstellung zu sehen sind, gelagert. Das Außendepot des Städtischen Museums gibt es seit 2015. Alle Objekte, die ganz oder auch nur teilweise aus organischen Substanzen bestehen, sind einer Stickstoffbehandlung unterzogen worden, bevor sie dort eingelagert wurden. So konnten wir sichergehen, dass wir dort keine von Schädlingen befallenen Gegenstände verwahren.

Ständig ist darauf zu achten, dass keine Schädlinge von draußen ins Depot gelangen. So ist das Tragen von Überschuhen geboten. Fenster sind mit Schutzgittern versehen, damit beim Lüften keine Insekten eindringen können. Es ist auf penible Sauberkeit zu achten. Und trotzdem: Wir leben ja nicht allein auf diesem Planeten! So ist es wichtig, dass ständig kontrolliert wird, ob vielleicht doch Schädlinge den Weg ins Depot gefunden haben.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Überschuhe, Lichtfalle und Klebefalle

Derzeit wird mit Klebe‐, Pheromon- und Lichtfallen ein möglicher Befall beobachtet. Die verschiedenen Klebe‐ und Lockstofffallen sind auf bestimmte kriechende Insektenarten abgestimmt. Welche Insekten durch die Nährstoffe oder Hormone angelockt werden, ist in der jeweiligen Produktbeschreibung der Fallen aufgeführt. Mit Lichtfallen, die mit Grünlicht ausgestattet sind, werden vor allem fliegende Insekten angelockt. Mit diesen Fallen kann man über einen längeren Zeitraum die Befallszyklen, ‐radien und ‐konzentrationen nachvollziehen. Sie sind jedoch nur ein Indiz, ob und welche Schädlinge vorhanden sind. Wöchentlich wird überprüft und aufgelistet, ob es einen Befall gibt und wie dieser sich geändert hat.

(Silke Stegemann, Leiterin der Museumswerkstatt)

 

15. März 2019

Sylvester Märten – eine Göttinger Erfolgsgeschichte

Die meisten Göttinger kennen es noch – das 2016 geschlossene Textilienfachgeschäft Sylvester Märten an der Ecke Groner Straße/Zindelstraße. Was viele nicht wissen: das Familienunternehmen bestand in Göttingen bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts und konnte somit auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Solche Erfolgsgeschichten hinterlassen Spuren in der Stadt und als Museumsmitarbeiter nimmt man diese gerne einmal genauer unter die Lupe.

Im vergangenen  Monat kamen zwei Ereignisse zusammen, die mir den Anstoß dazu gaben, mich mit der Geschichte von Sylvester Märten zu beschäftigen. In den Zeitungen und sozialen Netzwerken war vom Abriss einer Gründerzeitvilla im Ostviertel zu lesen – dem 1914 erbauten ehemaligen Wohnhaus der Familie Märten. Der Abriss des neoklassizistischen Gebäudes wurde von zahlreichen Stimmen begleitet, die sich für den Erhalt des historischen Bauwerks aussprachen, darunter auch die Stadtverwaltung, die noch kurz zuvor eine Erhaltungssatzung für das Viertel beschlossen hatte. Leider war das bereits in Teilen abgerissene Gebäude aber nicht mehr zu retten.

Eine Woche zuvor hatte das Museum von Familie Lange, Nachkommen des Firmengründers Sylvester Märten, 11 Porträts übernommen – 8 Gemälde und 3 Fotografien. Darauf zu sehen sind die Mitglieder der Familie Märten/Lange. Einmal  richtig zugeordnet, bilden die Porträts einen Stammbaum der Unternehmerfamilie vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zu den 1960er Jahren. Im Zuge der Inventarisierung kamen noch einige Puzzleteile dazu. Bereits der Vater des Gründers und Namensgeber des Göttinger Geschäfts Sylvester Märten (1855-1916) ist Textilkaufmann in Duderstadt. Sylvester Märten gründet 1880 in Göttingen sein eigenes Geschäft. Durch die  fachliche Kompetenz Märtens und durch damals noch relativ neue Werbemaßnahmen wie Zeitungskataloge wird es schnell ein großer Erfolg und übersteht auch schwierige Zeiten. Sein Nachfolger wird sein Schwiegersohn Paul Lange (1879-1964), der die Geschäftsleitung schließlich an seinen Sohn Wolfgang übergibt. 1979 wird das Geschäft dann von Willi Klie übernommen.

Die Erinnerung an Sylvester Märten bleibt nicht nur bis 2016 im Namen des Geschäfts erhalten, sondern auch heute noch in einer nach ihm benannten Stiftung zur Förderung der beruflichen Bildung für den Einzelhandel am Standort Göttingen, die der 2017 verstorbene Wolfgang Lange 2013 ins Leben gerufen hat. Eine echte Göttinger Erfolgsgeschichte also, die es zu bewahren lohnt! Denn die Geschichte einer Stadt ist am besten am Leben und Wirken ihrer Bewohner ablesbar – und den Dingen, die sie hinterlassen. Schade, dass solche Geschichten wegen der Verdrängung des lokalen Einzelhandels durch große Konzerne und Handelsketten immer seltener werden.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

Abb.1: Sylvester Märten; Abb. 2: Das Textilgeschäft Sylvester Märten, Groner Straße 39, 1930er Jahre (?)

01. März 2019

“Gebändigte Phantasie“

Mitten in der Bewegung gebannt erscheinen die „gebändigten Phantasien“ auf den Grafiken Alfred Pohls. Die Bewegung ist nicht nur reine Abbildung, sondern konstituierender Bestandteil der Werke. Die Figuren erzählen Geschichten aus  der Mythologie, der Religion, der Literatur, fernen Ländern und Traumwelten. Die Werke Alfred Pohls zählen zu den spannendsten Grafiken in der Sammlung des Städtischen Museums.

Abb.: „Mittag“, „Selva“, „Oase“, aus der Serie „PANAMERICANA“, Farbholzschnitt, 1971, Städtisches Museum Göttingen

Alfred Pohl ist am 4. Februar im Alter von 90 Jahren verstorben. Er hinterlässt einen umfangreichen künstlerischen Nachlass und viele Spuren in Göttingen, wo er seit 1974 seinen Wohnsitz hatte und das künstlerische Klima stark mitprägte.

Bevor er sich hier niederließ, war Pohl ein Weltenbummler. Der gebürtige Essener absolvierte ein künstlerisches und eine pädagogiosches Studium in Lüneburg und Hannover. 1965 zog es ihn nach Paris, wo er im Atelier von Johnny Friedländer seine spezifische Radiertechnik entwickelte. Von 1967-70 arbeitete er am Colegio Alexander von Humboldt in Lima, in den Jahren 1972-74 war er Mitglied der misión pedagógica im kolumbianischen Erziehungsministerium.

Alfred Pohls Leidenschaft war neben der Radierung und der Aquarellmalerei vor allem der Holzschnitt. Auf zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentierte er seine Werke. Seine Grafiken sind stark von seinen Auslandsaufenthalten beeinflusst. Besonders die Kulturen und Landschaften Südamerikas waren für ihn eine große Inspirationsquelle. In den Arbeiten werden Reflexionen über Zeit und Geschichte in zeitlosen Bildsujets greifbar –  immer eindringlich, ob durch Farbe, Form oder ungewöhnliche Bildinhalte, die oft eine Symbiose bekannter und vergessener Welten darstellen. Denn „was der Verstand nicht lesen kann, deutet das Auge“ (Pohl 1969).

 

Abb.: Alfred Pohl begleitet 2011 anlässlich des Wochenendes der Grafik eine museumspädagogische Aktion im Städtischen Museum. Im Austausch mit Pohl konnten Kinder lernen, mit den Materialien des Künstlers zu drucken.

 

 

 

 

 

Zitat Überschrift: Frank Günter Zehnder, Ausst. Kat. Städtisches Museum Göttingen, 1996.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

22. Februar 2019

Auf Spurensuche

Neulich hatten wir Besuch von der HAWK Hildesheim. Die angehende Gemälderestauratorin Susan Müller (Dipl. Restauratorin für Wandmalerei) wollte einen Blick in unser Museumsdepot werfen. Denn sie ist auf Spurensuche. Frau Müller untersucht und restauriert während ihres Masterstudiums ein Gemälde des Göttinger Malers Georg Wilhelm Feistkorn (1811-1843) aus dem Kloster Loccum. Sie schaute sich die Werke des Künstlers in der Sammlung des Städtischen Museums an, um den Stil des Malers besser einschätzen zu können und gegebenenfalls weitere Informationen zum Künstler und zur portraitierten Person auf dem von ihr zu restaurierenden Gemälde zu ermitteln.

Die Begutachtung der Werke zu begleiten, war auch für uns sehr interessant. Denn über Georg Wilhelm Feistkorn und den Verbleib zahlreicher von ihm geschaffener Werke ist vieles noch unklar. Dabei war der jung verstorbene Künstler zu Lebzeiten überregional tätig. Seine Laufbahn beginnt mit einer Ausbildung zum Porzellanmaler bei Carl Schmidt und Philipp Petri. Bald wendet er sich jedoch der Ölmalerei zu. Er porträtiert seine Eltern und seine Geschwister und malt Genreszenen. Seit 1834 stellt er seine Gemälde auf verschiedenen Kunstausstellungen in Hannover aus. Auch Auftragsarbeiten für das gehobene Bürgertum sind belegt. Doch Feistkorn bleibt nicht in Hannover. Er ist unter anderem in Braunschweig, Hameln, Bremen, Düsseldorf und Einbeck tätig, bevor er 1841 – zwei Jahre vor seinem frühen Tod – nach St. Petersburg auswandert. Laut Anneliese Feistkorn (verst. 1996), dem letzten Mitglied der Familie, folgt er einer Hessischen Prinzessin an den Petersburger Hof. Wenn es sich bei dieser Überlieferung nicht lediglich um eine Legende handelt, könnte hier Marie von Hessen-Darmstadt (1828-1880) gemeint sein, die 1855 zur russischen Zarin wurde.

Das Städtische Museum Göttingen besitzt zahlreiche Gemälde und Skizzenbücher Feistkorns aus den Jahren 1824 bis 1842, an denen seine künstlerische Entwicklung nachvollziehbar wird.

Besonders hervorzuheben ist das wohl bereits 1935 entstandene sehr authentische Porträt seines Bruders Ernst, an dem bereits der ausdrucksvolle Stil Feistkorns zutage tritt, den er in den folgenden Jahren immer weiter verfeinert.

Im 1939 in Düsseldorf geschaffenen Gemälde „Kinder an der Kirchhofsmauer“ präsentiert sich Feistkorn mit einer sicheren, glatten Malweise und sorgfältig ausgeführten Details als gereifter Künstler mit einer deutlichen Nähe zur Düsseldorfer Schule.

Hinweise zur Entstehung des Portraits aus dem Kloster Loccum konnte leider auch das Studium der Skizzenbücher Feistkorns nicht geben. Frau Müller ist  dem Künstler beim Besuch im Museumsdepot aber ein wenig mehr auf die Spur gekommen – und wir auch. Denn solche Besuche sind immer wieder gute Anlässe, einen Sammlungsbestand aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und ihm so – wenn auch nur schrittweise – besser kennenzulernen.

Abb.1: Die angehende Gemälderestauratorin Susan Müller bei der Begutachtung der Skizzenbücher im Grafikmagazin des Museums; Abb.2: Porträt des Bruders des Künstlers, Pastor Ernst Feistkorn, Öl auf Holz, um 1835; „Kinder an der Kichhofsmauer“, Öl auf Leinwand, 1839

 

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

15. Februar 2019

UFO  identifiziert!

Hier kommt die Auflösung: Bei dem unidentifizierten Fundobjekt von letzter Woche handelt es sich um einen sogenannten Winkelspiegel. Winkelspiegel wurden in der Geodäsie genutzt, um im Gelände exakte rechte Winkel bestimmen zu können. Die Spiegel im Inneren laufen in einem 45° Winkel aufeinander zu. Fällt ein Lichtstrahl in einen der beiden, wird er zuerst in den anderen geworfen, bevor er wieder hinaus reflektiert wird. Durch die Doppelspiegelung wird der Lichtstrahl dabei immer in einem 90° Winkel zurück reflektiert. So können rechte Winkel auch über größere Entfernungen hinweg genau bestimmt werden.

Entwickelt wurde der erste Winkelspiegel vermutlich um 1800 durch den englischen Mechaniker Georg Adams Junior (1750-1795). Unser Exemplar hier kam bereits um 1900 ins Städtische Museum und gehört daher zur Kategorie ‚historisches Instrument‘.  Ähnliche Vorrichtungen jedoch, wie das Doppelpentagonprisma oder auch (Doppel-)Winkelprisma, das auf dem gleichen Prinzip aufbaut, werden auch heute noch gelegentlich zur Abmessung im Gelände verwendet. Die Firma Dennert & Pape wurde 1862 in Hamburg als Werkstatt für geodätische und mathematische Instrumente gegründet.

(Iris Olszok, studentische Mitarbeiterin)

08. Februar 2019

Gewusst?

Diese Woche haben wir mal wieder ein Quiz für Sie. Dafür greifen wir wieder tief in unsere „UFO-Kiste“ (UFO=unidentifiziertes Fundobjekt).

Um was für ein Objekt könnte es sich hier handeln?

 

Es ist etwa handgroß, aus Messing, hat eine dreieckige Grundform und in seinem Inneren sind zwei kleine Spiegel angebracht.

Als Tipp: Hergestellt wurde es von der Firma Dennert & Pape, die besonders für ihre Rechenstäbe bekannt ist.

Die Auflösung folgt in der nächsten Woche.

(Iris Olszok, studentische Mitarbeiterin)

 

01. Februar 2019

Migrationsgeschichte als Stadtgeschichte

Im Museum tummeln sich zahlreiche Objekte mit ungewöhnlichen Geschichten und manchmal auch sehr ungewöhnlicher Herkunft. Denn Stadtgeschichte ist schon immer untrennbar mit Migrationsgeschichte verbunden.

Die hier abgebildeten Tonkrüge gehören zu diesem besonderen Bestand. Erst einmal unscheinbar, möchte man meinen. Wie interessant können Tonwaren sein? Nun ja, wie so oft ist es die Geschichte hinter den Dingen, die die Objekte erst mit Leben füllt und zu historischen Dokumenten macht.

In diesem Fall ist es die Geschichte von Frau W., die 1943 in Donja Dubrava in Kroatien geboren wurde und 1962 nach Göttingen kam. Hier wollte die Schneiderin im Göttinger Restaurant Indonesia, zunächst nur für ein paar Monate arbeiten, um ein wenig Geld zu verdienen und verschiedene Stoffe und Näh-Zubehör kaufen zu können. Im „Indonesia“ war Frau W. nach eigener Aussage am Erfolg der legendären Bihunsuppe mitbeteiligt, und so beschloss sie, länger zu bleiben, als ursprünglich geplant. Sie verliebte sich in einen Göttinger Studenten, der sie wenig später bat, seine Frau zu werden. Damit war die Entscheidung, sich in Deutschland niederzulassen, endgültig besiegelt. Die drei Tongefäße hat Frau W. in den 1960er Jahren aus ihrem Elternhaus in Donja Dubrava mitgebracht. Der große Topf passte nicht ins Auto und musste auf dem Dachgepäckträger ihres VW-Käfer transportiert werden, wobei er als Stauraum für Kleidung diente. In diesem Topf wurde bei der Hochzeit der Eltern von Frau W. 1926 Sauerkraut und Eisbein gekocht– ein traditionelles Hochzeitsessen in dieser Region, das üblicherweise in einem solchen großen Tontopf zubereitet wurde. In der Flasche mit Tülle wurde Wasser zur Feldarbeit mitgenommen. Die dritte Flasche diente zur Lagerung von Flüssigkeiten. Frau W.‘s Vater erzählte, dass sein älterer Bruder die Gefäße in Handarbeit hergestellt habe.

Eine tolle Geschichte, die es wert ist bewahrt zu werden, genauso wie die drei Tongefäße, die für den Aufbruch in eine neue Heimat stehen, ohne die Erinnerung an das Leben in der alten Heimat zu vergessen. Denn wo wir, die wir heute hier zusammenleben, auch geboren sind, ob in Göttingen, Donja Dubrava, oder Istanbul – jeder von uns trägt ganz individuelle Erinnerungen mit sich, die sich nicht selten in Objekten manifestieren, die uns lieb und teuer sind. Diese zu bewahren, stellt eine wesentliche Aufgabe von Museen dar.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

25. Januar 2019

Auf zur nächsten Zeitreise!

Am vergangenen Samstagabend durften wir wieder zahlreiche Gäste im Städtischen Museum zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen.“ begrüßen. Mit Spannung wurde der Einlass in die, hier bereits in der vergangenen Woche angekündigte, Ausstellung erwartet.

Wie Kulturdezernentin Petra Broistedt im Grußwort bemerkte, fand die Eröffnung nicht zufällig am 19. Januar statt – dem Tag der Wahl zur verfassunggebenden Nationalversammlung im Jahre 1919. es war die ersten Wahl, an der Frauen als  Wählerinnen und Gewählte teilnehmen durften. Das Frauenwahlrecht ist aber nur eines der vielen spannenden Themen, die in der interaktiven Ausstellung zu dieser Zeit , behandelt werden – eine Zeit, die im kollektiven Gedächtnis der Deutschen häufig zu Unrecht von den Schrecken des NS-Regimes und des Zweiten Weltkriegs überlagert wird.

Auch diesmal erwartet Sie außerdem ein umfangreiches Begleitprogramm aus Vorträgen, Führungen sowie musikalischen und museumspädagogischen Aktionen. Der erste Vortrag findet am Sonntag, den 27. Januar, um 15 Uhr satt. Prof. Dr. Oliver Auge (Christian-Albrechts-Uni Kiel) wird über Hintergründe, Verlauf und Konsequenzen des Kieler Matrosenaufstands im November 1918 berichten.

Aktuelle Informationen zu weiteren Vorträgen und Veranstaltungen erhalten Sie auf unserer Internetseite.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

18. Januar 2019

Ab 19. Januar ist er da: Der rote Sonnabend

Blick in den Ausstellungsraum

Zahlreiche Flugblätter, Plakate, Zeitungsberichte und Anzeigen, viele Fotos und persönliche Erinnerungen….Dies alles galt es zu sichten und zu sortieren, damit diese Objekte in unserer neuen Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen“ ihren Platz finden konnten.

Eine besondere Quelle aus dem Stadtarchiv Göttingen, die erstmals als Hörfassung zugänglich gemacht wird, sind die Zeitzeugeninterviews des Göttinger Lehrers Ulrich Popplow, Felix-Klein-Gymnasium, aus dem Jahr 1975. Mich haben diese Schilderungen sehr beeindruckt. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten darin ihre persönliche Wahrnehmung, sprechen von Angst, Hunger und Krankheit, Tod und Verlust, aber auch von Befreiung und Hoffnung auf eine Veränderung zum Besseren hin.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung haben wir uns mit folgenden Fragen befasst: Welche Personen haben in Göttingen die Revolution mitgetragen und auf die Straßen gebracht und wer war dagegen? Wie hat sich Oberbürgermeister Calsow verhalten? Welche Göttingerinnen haben sich politisch engagiert und von ihrem hart erkämpften Wahlrecht Gebrauch gemacht?

Aber entdecken Sie am besten selbst, wie die Göttinger Bürger und Bürgerinnen vor über 100 Jahren die Ereignisse, wie das Kriegsende und die Revolution, empfunden haben, und das kulturelle Leben wie das Tanzen, im damals beliebten Ausflugslokal Rohns, allmählich wiederaufblühte.

Die Ausstellung wird morgen um 18:00 Uhr eröffnet.

Ausstellungswand zum Frauenwahlrecht

Die Wählerschaft nach der Revolution

(Simone Hübner, Kuratorin)

11. Januar 2019

Die Sterne im Blick

Neues Jahr, neuer Kalender, neues Glück! Der Jahreswechsel  ist für viele Menschen mit guten Vorsätzen und nicht zuletzt mit der Hoffnung auf neue Chancen und positive Veränderungen verbunden. Auch wenn die meisten es nicht gern zugeben, schauen viele – wenn auch nur flüchtig – in das Horoskop der Tageszeitung, um zu erfahren was die Sterne ihnen für das neue Jahr weissagen.

Die Sterne üben seit jeher und bis in die Gegenwart eine enorme Anziehung auf die Menschen aus. Über die Jahrtausende wurden zahlreiche Hilfsmittel entwickelt, um Sternkonstellationen bildlich festzuhalten. Auch wenn Astronomie, die empirische Beobachtung der Himmelsobjekte, und Astrologie, die Deutung von Gestirnkonstellationen als Vorboten für irdische Ereignisse, bis ins 17. Jahrhundert mehr oder weniger untrennbar miteinander verbunden waren, hatte das oft ganz pragmatische Gründe. Denn anhand bestimmter Sternkonstellationen wurde zum Beispiel der Zeitpunkt der Aussaat und Ernte bestimmt und neben anderen Naturphänomenen war der Sternenhimmel der wichtigste Anhaltspunkt für die Entwicklung von Kalendersystemen, wie wir sie heute kennen.

Im Depot des Städtischen Museums sind die beeindruckenden Himmelsgloben kaum zu übersehen. Besonders eines der Objekte zieht jeden Betrachter sofort in seinen Bann. Auf den ersten Blick erinnert die golden glänzende Messingkugel aus der Zeit um 1700 an einen Erdglobus. Bei genauerem Hinsehen kommen aber statt Kontinenten fein eingravierte Sternbilder zum Vorschein. Die Kugel wird von einem Messingring umfangen, auf dem der Gregorianische und der Julianische Kalender umlaufend ihre Bahnen ziehen. Mithilfe eines solchen Himmelsglobus können wiederkehrende Gestirnbewegungen an bestimmten Kalendertagen genau abgelesen werden und umgekehrt. Dabei muss sich der Betrachter jedoch in die Kugel hineinversetzen, da die Sterne spiegelbildlich dargestellt sind. Himmelsgloben wurden bereits seit der Antike gefertigt und gehörten im Zeitalter der Aufklärung zur Standardausstattung von Universitäts- und Residenzbibliotheken.

In der Aufklärung verlor die Astrologie stark an Glaubwürdigkeit – die Disziplinen Astronomie und  Astrologie gingen getrennte Wege. Erst um 1900 wurde die Astrologie im Zuge esoterischer Bewegungen wieder wichtiger und blieb bis heute ein fester Bestandteil der Populärkultur. Auch wenn sich die Geister bei der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Sterndeutung in Form von Horoskopen scheiden – dem Anblick des Sternenhimmels, dem Fenster aus unserer Welt hinaus in das unberechenbare, geheimnisvolle Universum haftet bis heute etwas mystisches an. Also – mögen die Sterne Ihnen wohl gesonnen sein! Schaden kann es ja nicht.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)