18. Januar 2019

Ab 19. Januar ist er da: Der rote Sonnabend

Blick in den Ausstellungsraum

Zahlreiche Flugblätter, Plakate, Zeitungsberichte und Anzeigen, viele Fotos und persönliche Erinnerungen….Dies alles galt es zu sichten und zu sortieren, damit diese Objekte in unserer neuen Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen“ ihren Platz finden konnten.

Eine besondere Quelle aus dem Stadtarchiv Göttingen, die erstmals als Hörfassung zugänglich gemacht wird, sind die Zeitzeugeninterviews des Göttinger Lehrers Ulrich Popplow, Felix-Klein-Gymnasium, aus dem Jahr 1975. Mich haben diese Schilderungen sehr beeindruckt. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten darin ihre persönliche Wahrnehmung, sprechen von Angst, Hunger und Krankheit, Tod und Verlust, aber auch von Befreiung und Hoffnung auf eine Veränderung zum Besseren hin.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung haben wir uns mit folgenden Fragen befasst: Welche Personen haben in Göttingen die Revolution mitgetragen und auf die Straßen gebracht und wer war dagegen? Wie hat sich Oberbürgermeister Calsow verhalten? Welche Göttingerinnen haben sich politisch engagiert und von ihrem hart erkämpften Wahlrecht Gebrauch gemacht?

Aber entdecken Sie am besten selbst, wie die Göttinger Bürger und Bürgerinnen vor über 100 Jahren die Ereignisse, wie das Kriegsende und die Revolution, empfunden haben, und das kulturelle Leben wie das Tanzen, im damals beliebten Ausflugslokal Rohns, allmählich wiederaufblühte.

Die Ausstellung wird morgen um 18:00 Uhr eröffnet.

Ausstellungswand zum Frauenwahlrecht

Die Wählerschaft nach der Revolution

(Simone Hübner, Kuratorin)

11. Januar 2019

Die Sterne im Blick

Neues Jahr, neuer Kalender, neues Glück! Der Jahreswechsel  ist für viele Menschen mit guten Vorsätzen und nicht zuletzt mit der Hoffnung auf neue Chancen und positive Veränderungen verbunden. Auch wenn die meisten es nicht gern zugeben, schauen viele – wenn auch nur flüchtig – in das Horoskop der Tageszeitung, um zu erfahren was die Sterne ihnen für das neue Jahr weissagen.

Die Sterne üben seit jeher und bis in die Gegenwart eine enorme Anziehung auf die Menschen aus. Über die Jahrtausende wurden zahlreiche Hilfsmittel entwickelt, um Sternkonstellationen bildlich festzuhalten. Auch wenn Astronomie, die empirische Beobachtung der Himmelsobjekte, und Astrologie, die Deutung von Gestirnkonstellationen als Vorboten für irdische Ereignisse, bis ins 17. Jahrhundert mehr oder weniger untrennbar miteinander verbunden waren, hatte das oft ganz pragmatische Gründe. Denn anhand bestimmter Sternkonstellationen wurde zum Beispiel der Zeitpunkt der Aussaat und Ernte bestimmt und neben anderen Naturphänomenen war der Sternenhimmel der wichtigste Anhaltspunkt für die Entwicklung von Kalendersystemen, wie wir sie heute kennen.

Im Depot des Städtischen Museums sind die beeindruckenden Himmelsgloben kaum zu übersehen. Besonders eines der Objekte zieht jeden Betrachter sofort in seinen Bann. Auf den ersten Blick erinnert die golden glänzende Messingkugel aus der Zeit um 1700 an einen Erdglobus. Bei genauerem Hinsehen kommen aber statt Kontinenten fein eingravierte Sternbilder zum Vorschein. Die Kugel wird von einem Messingring umfangen, auf dem der Gregorianische und der Julianische Kalender umlaufend ihre Bahnen ziehen. Mithilfe eines solchen Himmelsglobus können wiederkehrende Gestirnbewegungen an bestimmten Kalendertagen genau abgelesen werden und umgekehrt. Dabei muss sich der Betrachter jedoch in die Kugel hineinversetzen, da die Sterne spiegelbildlich dargestellt sind. Himmelsgloben wurden bereits seit der Antike gefertigt und gehörten im Zeitalter der Aufklärung zur Standardausstattung von Universitäts- und Residenzbibliotheken.

In der Aufklärung verlor die Astrologie stark an Glaubwürdigkeit – die Disziplinen Astronomie und  Astrologie gingen getrennte Wege. Erst um 1900 wurde die Astrologie im Zuge esoterischer Bewegungen wieder wichtiger und blieb bis heute ein fester Bestandteil der Populärkultur. Auch wenn sich die Geister bei der Frage nach dem Wahrheitsgehalt der Sterndeutung in Form von Horoskopen scheiden – dem Anblick des Sternenhimmels, dem Fenster aus unserer Welt hinaus in das unberechenbare, geheimnisvolle Universum haftet bis heute etwas mystisches an. Also – mögen die Sterne Ihnen wohl gesonnen sein! Schaden kann es ja nicht.

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

21. Dezember 2018

Sand  für Sand

Vergangene Woche wurde hier im Museum eine kleine Sammlung von Riechfläschchen inventarisiert. Diese, mit ätherischen Ölen und belebenden Ammoniak gefüllten, kleinen Glasflacons dienten den im 18. und 19. Jahrhundert durch Korsetts eingeschnürten Frauen zur Wiederbelebung nach Schwindelanfällen und waren aufgrund ihrer atemerleichternden Wirkung beliebt.

Eines der Fläschchen fiel besonders auf. Nicht aufgrund eines aufwändig verzierten Äußeren, sondern wegen seines Inhalts. Während die anderen Fläschchen mittlerweile leer sind, ist dieses, nicht einmal 6 cm hohe Fläschchen aus Kristallglas nach wie vor gefüllt mit feinem, schwarzen Sand. Als Riechfläschchen wohl ungeeignet, stellt sich die Frage, wofür es stattdessen genutzt wurde.

Im Eingangsbuch nachgeschaut, findet sich folgender Vermerk: „Gläschen mit schwarzem Sand gefüllt, zum Andenken an Carl Ludwig Sand von einer Frau auf der Brust getragen.“

Carl Ludwig Sand ist ein für die deutsche Geschichte nicht unbedeutender Name. 1795 wurde er im Bayreuther Gebiet geboren, das ab 1807 unter französischer Herrschaft stand.  Ab 1815 studierte er an den Universitäten in Tübingen, Erlangen und Jena. In Erlangen gründete er mit weiteren Studenten, die wie er von dem neuen, während der französischen Fremdherrschaft und den Befreiungskriegen gewachsenen deutschen Nationalgefühl erfasst waren, die erste Erlangener Burschenschaft. Ab 1818 war Sand Mitglied bei den ‚Unbedingten‘ in Jena, die zum radikale Flügel der Burschenschaften gehörten. Aufgabe der Burschenschaften sollte es sein, die vaterländische Idee zu stärken und gegen die Kleinstaaterei und für ein geeinigtes, freies Deutschland zu kämpfen. Welche Mittel den Radikalen in diesen Kampf als akzeptabel galten, zeigte sich am 23. März 1819. An diesem Tag suchte Sand den Schriftsteller und russischen Generalkonsul August von Kotzebue, der sich spöttisch über das nationale Bestreben der Burschenschaften geäußert hatte und für diese daher als ‚Landesverräter‘ galt, in dessen Mannheimer Wohnung auf und ermordete ihn durch einen Dolchstoß.

Das Sand’sche Attentat gilt als eins der ersten, wenn nicht das erste politisch motivierte Attentat in Deutschland. Durch Sands Tat und die darauffolgende Diskussion, in der sich viele Stimmen positiv über die ‚Reinheit der Tat aus Überzeugung‘ äußerten, fand der Mord in Deutschland Eingang in den politischen Kampf.

Sand selbst wurde 1820 durch das Hofgericht Mannheim zum Tode durch das Schwert verurteilt und wenig später vor großem Publikum hingerichtet.

Während die Obrigkeit das Attentat als Begründung für den Erlass der Karlsbader Beschlüsse nutzte, wurde Sand selbst durch radikaldemokratische und nationale Teile der Burschenschaft zum Symbol für Einheit und Freiheit stilisiert und den gesamten Vormärz über als Identifikationsfigur und politischer Märtyrer verehrt. So soll sich sein Scharfrichter später ein Gartenhaus aus dem Holz der Richtstätte gebaut haben, in dem dann die Heidelberger Burschenschaft geheime Treffen abhielt. Auch sein Blut und seine Haare sollen von Anhängern reliquiengleich gesammelt worden sein. Also warum nicht auch ein Glas mit Sand um den Hals, für alle jene, die kein ‚echtes Material‘ ergattern konnten? Offen bleibt die Frage, ob es sich bei dem Stück im Göttinger Museum um ein Einzelstück handelt oder ob es Zeugnis eines zeitweise weiter verbreiteten Phänomens ist.

(Iris Olszok, studentische Praktikantin)

14. Dezember 2018

Wunderliche Tierwesen

Reiterdenkmal Ludwigs XII, darunter sein Wappentier, das Stachelschwein, Schloss Blois

Noch kürzlich – auf unserer Urlaubsreise an die Loire – haben wir sie gesehen: skurrile, gekrönte Tiergestalten auf Reliefs, in weißen Tuffstein gemeißelt, an Balustraden von Treppenaufgängen, über Portalen und zahlreich in Kasettendecken, in den Schlössern AMBOISE, BLOIS, CHAMBORD und CHENONCEAU: Es sind Wappentiere französischer Herrscher zur Zeit der Renaissance, die ihre Residenzen zu der Zeit noch in den oben erwähnten Schlössern hatten, ehe der Hof nach Versailles verlegt wurde. Kaum zurück an meinem Beschäftigungsplatz im Museum, treffe ich sie wieder, diese Fabelwesen! Was für ein Zufall: dieselben Embleme als filigrane Applikationen im Kleinstformat auf einer achteckigen Schnalle, dazu noch die Bourbonenlilie (Fleur de lys).

Gürtelschnalle, 18. Jh., Städtisches Museum Göttingen – unten Stachelschwein (links) und Hermelin (rechts), rechts oben Salamander

Da gibt es zunächst das Stachelschwein (franz. porc-épic) auf dem Wappenschild von Louis XII. (1462-1515). Es galt in dieser Epoche noch als ein äußerst exotisches und mysteriöses Tier. Man glaubte, es könne seine Stacheln wie Lanzen benutzen, und sie dann wieder regenerieren. Das ist jedoch nur eine Legende. Für Ludwig XII. galt es unter der Devise: „Wer sich daran stößt, verletzt sich daran.“ Im Sinne von: wer nicht die Finger davon lässt, ist selbst schuld. Das stark stilisierte Emblem befindet sich über einem Eingangstor von Schloss Blois. Es ist flankiert von den Initialen L + A Louis und Anne de Bretagne, der Mutter der späteren Reine Claude, der zu Ehren die köstliche, grüngelbe Pflaume Reineclaude (= Reneklode) ihren Namen bekam. Doch das ist eine andere Geschichte.

Salamander und Hermelin, über einem Kamin in Schloss Chenonceau

Claude,  Königin von Frankreich, durch Heirat mit Franz I., hatte übrigens das Hermelin als Wappentier – ein Symbol für Reinheit. Und dann gibt es da noch den Salamander, den Franz I. als Emblemtier für sein Wappenschild wählte. Dieses Ungetüm, das dem Mythos nach als das Feuer  löschende und sich davon nährende Tier galt, wählte dieser König  wohl zu Recht für sich. Denn er war bekannt als der glühende Verfechter vieler Dinge, brennend für das Neue.

Zurück zu unserer Schnalle: Hier sind die oben beschriebenen Embleme alle miteinander versammelt! Im Zuge der Inventarisierung stellt sich die Frage, wie ein solches Objekt wohl nach Göttingen gelangte und wem es wohl einmal gehörte? Im Eingangsbuch ist nur festgehalten, dass die Schnalle 1893 ins Museum kam, und in der Umgebung von Göttingen gefunden wurde. Befand sie sich ursprünglich an einer Uniform oder schmückte sie eine Schärpe? War das Objekt ein Beutestück oder wurde einfach nur vom einem“ Königstreuen“ verloren, einem französischen Soldaten?

Wir wissen es nicht.

(Ulla Kayser, ehrenamtliche Mitarbeiterin)

07. Dezember 2018

Christa Neifeind geehrt

Das Städtische Museum Göttingen gratuliert der Vorsitzenden der Deutsch- Französischen Gesellschaft Christa Neifeind. Am vergangenen Mittwoch wurde Frau Neifeind der Ordre des Palmes Académiques verliehen. Das ist eine der höchsten Auszeichnungen in Frankreich für außerordentliche Verdienste im Bildungsbereich. Den Orden überreichte die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes im Städtischen Museum.

Frau Neifeind engagierte sich bereits als Französisch- und Geschichtslehrerin am Hainberg-Gymnasium für die deutsch-französische Freundschaft. Dort etablierte sie ein Schüleraustauschtauschprogramm, in dem bewusst die individuelle kulturelle Erfahrung im Mittelpunkt steht, fernab von Sightseeing und Stereotypen. Über viele Jahre engagiert sie sich ehrenamtlich in der Deutsch-Französischen Gesellschaft Göttingen (DFG). Seit neun Jahren ist sie Vorsitzende. Durch ihren Einsatz kamen zahlreiche kulturelle Veranstaltungen mit prominenten französischen Schriftstellern und Musikern in Göttingen zustande. Außerdem regt sie immer wieder in Vorträgen über die französische Politik und Gesellschaft und Ausflügen zu Orten, die in besonderer Beziehung zum Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich stehen, zum Nachdenken über die interkulturelle Verständigung an. Dabei gelang es ihr, ein beachtliches Netzwerk von Kooperationen mit kulturellen Institutionen in Deutschland und in Frankreich aufzubauen, das sich dem gemeinsamen Ziel der deutsch-französischen Verständigung und Freundschaft verpflichtet hat.

Frau Neifeind hat sich entschieden, den Ordre des Palmes Académiques im Städtischen Museum entgegenzunehmen. Sie findet, dass sich auch das Museum in Zusammenarbeit mit der DFG, nicht zuletzt durch die Sonderausstellung zur Chanson-Sängerin Barbara, die das berühmte Göttingen – Lied schrieb, für die deutsch-französische Verständigung engagiert hat. Für uns ist das eine große Ehre!

Die französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes (rechts) überreicht Christa Neifeind (links) den Orden

Vor dem Festakt führt Kuratorin Andrea Rechenberg (rechts) die Französische Botschafterin Anne-Marie Descôtes (links) durch die Ausstellung „Stadt.Macht.Glaube“

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

30. November 2018

Ausstellung, die Übernächste bitte…

Im Januar eröffnet unsere nächste Ausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgen der Novemberrevolution 1918 in Göttingen.“ Siehe dazu auch Blogbeitrag vom 09.11.

Doch bereits seit Sommer diesen Jahres, haben auch die inhaltlichen Arbeiten für die übernächste Ausstellung begonnen, die im Februar 2020 eröffnet wird. Es handelt sich dabei um ein sehr Göttingen-spezifisches Thema, das aber von bundesweiter, ja sogar  internationaler Bedeutung ist.

V.l.n.r.: die beiden Filmemacher Fabian Fess und Oliver Becker sowie die Historikerin Petra Vintrová an unserem vier Meter langen Storyboard

Da unser Platz für Sonderausstellungen wegen der stagnierenden Sanierung nach wie vor sehr begrenzt ist, müssen wir die  Inhalte die wir vermitteln möchten, verdichten. Dabei helfen uns verschiedene  Medien auf mehreren Ebenen, so können wir den Ausstellungraum inhaltlich „vergrößern“. Eine dieser erweiternden Vermittlungsebenen wird ein Film sein, der eigens für diese  Ausstellung produziert wird. Und dafür brauchen  wir ein  Drehbuch! Das erarbeiten wir mit einem Storyboard und das entsteht zurzeit  bei  intensiven Sitzungen der Filmgruppe.

Es ist eine neue und interessante Erfahrung für mich, die einige Parallelen zu der Erstellung einer Ausstellungskonzeption aufweist: Es müssen inhaltliche Aussagen getroffen werden und zugleich dazu die Bilder gesucht werden, die diese Aussage transportieren können. Inhalt und Darstellung werden zusammen gedacht, ganz ähnlich wie bei einer Ausstellung, aber in der Umsetzung hat ein Film andere Stilmittel der Erzählung und damit andere Anforderrungen zu erfüllen. Auf jeden Fall soll er informativ und unterhaltend werden, daran arbeiten wir….

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

23. November 2018

Unter dem Schleier der Jahrhunderte

Seit einigen Wochen freuen wir uns immer doppelt auf den wöchentlichen Besuch im Außendepot. Denn hier geschehen zurzeit kleine Wunder.

Dipl. Restauratorin Viola Bothmann lüftet Zentimeter für Zentimeter das Geheimnis des unbekannten Mädchens

Dank der freundlichen Unterstützung der Fielmann AG dürfen wir das älteste Kinderporträt unserer Sammlung nun bald mit neuen Augen betrachten. Die junge Dame aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die ihrer Kleidung und Attribute nach zu urteilen aus adeligem Hause stammt, bewohnt unser Depot schon lange. Bisher hat sie uns jedoch kaum etwas über sich verraten, da auf dem Ölgemälde keine Inventarnummer angebracht ist und damit kein Hinweis auf den Künstler, die dargestellte Person oder die Herkunft des Objekts vorhanden war. Außerdem hat sich mit den Jahrhunderten durch chemische Veränderungen der obersten Malschicht, dem Firnis, ein dunkler Schleier auf das Gemälde gelegt. Dadurch war bis auf das Mädchen im Vordergrund und ihre beiden Spielgefährten, einen Hund und einen Vogel, kaum etwas auf dem Bild erkennbar und die Farben waren stark verfälscht.

Gute Aussichten – zur Hälfte vom Firnis befreit!

Das ändert sich nun nach und nach.  Durch die Restaurierung wird unter anderem die einstige Farbgebung, soweit wie möglich, rekonstruiert und vorher nicht sichtbare Details kommen zum Vorschein. Das erfordert viel Zeit. In aufwändiger Kleinstarbeit deckt Dipl. Restauratorin Viola Bothmann immer größere Teile des Bildes auf, sodass wir den Antworten auf unsere Fragen Schritt für Schritt näher kommen.

Etwa die Hälfte des Bildes ist bereits vom Firnis befreit und auf einer Verstrebung des Tisches ist nun eine kryptische Künstlersignatur zu sehen. Hier werden weitere Recherchen nötig sein. Die Spitze am Kleid des Mädchens erleuchtet in strahlendem Weiß, zarte Pfirsichhaut schält sich aus dem dunklen Gelb und welche Vielfalt an Früchten nun links im Obstkorb erkennbar ist! Besonders gespannt sind wir aber auf den Bildhintergrund. Links ist bereits ein feierlich drapierter Vorhang erkennbar. Doch was wohl in der noch sehr dunklen Landschaft  im rechten Bildfeld zum Vorschein kommt? Und ob diese Rückschlüsse auf die Herkunft des Gemäldes, bzw. des dargestellten Mädchens zulässt?

Es bleibt spannend!

(Izabela Mihaljevic, wiss. Volontärin)

 

 

16. November 2018

Go Göttingen – mit einer App berühmte Leute treffen!

Lichtenberg trifft Manfred Eigen und geht mit Ihm essen, Carl Friedrich Gauß telegrafiert, Otto von Bismarck macht viel Unsinn und Sofia Kowalewskaja schwärmt von der Mathematik.

Einundzwanzig Kinder und Jugendliche aus Grone haben mit viel Einsatzfreude, Spaß und Können das Kinder- und Jugendstück: Go Göttingen im Museum uraufgeführt. Gefördert von dem Programm: Kultur macht stark – Bündnis für Bildung hat die Deutsch–Russische Gesellschaft ein sehr unterhaltsames und lustiges Stück mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern entwickelt und professionell auf die Bühne gebracht.

Mit begeistertem Applaus bedankten sich die Besucher für den amüsanten Einblick in die Geschichte Göttingens.

V.l.n.r.: Haschem Moschref als Manfred Eigen, Anstasia Sartison als Georg Christoph Lichtenberg, Simon Thiel als Arthur Schopenhauer, Alina Cernov als Julia Lermontowa, Sofia Rasheva als Sophia Kowalewskaya, Marcel Walter und Erik Alejnikov als Brüder Grimm

 

 

 

Angelina Krug                                                    als Gänseliesel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

09. November 2018

Demnächst: „Der rote Sonnabend“ im Museum

 Ein Praktikumsbericht

Stadtmuseen waren bisher für mich eine recht unbekannte Gattung, gefühlt eher dröge und uninteressant. Aber dann dachte ich mir, dass doch gerade für den Einstieg in die Museumsarbeit ein kleines Museum einige Chancen bietet, Vieles kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. Ich hatte das Glück, dass momentan im Städtischen Museum eine neue Sonderausstellung vorbereitet wird: So war ich dann mittendrin im Geschehen und konnte die Museumsarbeit hautnah miterleben.

 

 

Blick in den Ausstellungsraum: Aufbau der neuen Sonderausstellung „Der rote Sonnabend. Facetten und Folgender Novemberrevolution 1918“ in Göttingen. Eröffnung am 19. Januar 2019.

 

 

 

Etwas, dass mich überrascht hat, war, wie und in welch kleinen Schritten alles ausgearbeitet wird. Es wird darüber diskutiert, warum manche Objekte genutzt werden können und andere nicht, wo, an welcher Stelle und wieso wir das Exponat aufhängen, mit oder ohne Rahmen und mit welchem Rahmen. Außerdem muss eine Wandfarbe gewählt werden. Zu berücksichtigen ist ebenfalls, wie diese im Licht wirkt. Auch die Wahl einer angemessenen Schriftgröße, sowie eines stimmigen Layouts und einer passenden Farbe für die Objektbeschriftungen und die Plakate ist wichtig.

Zu Beginn des Praktikums war ich mit Recherchen für die Ausstellung im Stadtarchiv Göttingen beschäftigt. Es gehörte zu meinen Aufgaben, anhand einer Objektliste Dokumente zu scannen und zu speichern. Ebenso habe ich zu Lebenswegen einzelner Personen recherchiert, aus Zeitungen (Göttinger Tageblatt und Göttinger Zeitung 1918/1919) Informationen herausgefiltert und Biographien erstellt. Diese Informationen werden die Besucher in der Ausstellung lesen können.
Auch konnte ich an Arbeitssitzungen teilnehmen, in denen zusätzliche Angebote in und während der Ausstellung besprochen wurden. Dabei wurden u.a. mit dem YLAB, dem Geisteswissenschaftlichen Labor der Georg-August-Universität Göttingen, erörtert, welche Angebote für Schulen sinnvoll sind.

Nun ist mein Praktikum vorbei, und ich blicke auf die letzten zwei Monate zurück und muss mich selbstkritisch fragen, ob ich das gelernt habe, was ich wissen wollte. Die Antwort darauf ist nein. Aber das finde ich nicht schlimm, denn ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich nicht erwartet habe. Die Museumsarbeit ist etwas, das ich gerne weiterverfolgen möchte.

Allen sage ich Danke und auf Wiedersehen!

(Meike Saade, studentische Praktikantin)