24. März 2017

Inside the Museum: Die Museumsbibliothek

Das Städtische Museum verfügt über eine umfangreiche Bibliothek. Der Bestand umfasst ca. 30000 Bücher, die sich auf die Räume im Gebäude Alte Posthalterei verteilen. Zur Sammlung gehören neben der Literatur zur Göttinger Stadt- und Kulturgeschichte auch Künstlermonographien, Ausstellungs- und Sammlungskataloge, Nachschlagewerke, Lexika und Jahrbücher. Ebenso findet sich Fachliteratur zur Sammlungs- und Museumsgeschichte sowie Publikationen zu bestimmten Sammlungsbereichen wie Malerei, Textilien, Porzellan, Skulptur, Werkzeug, Möbel  und Alltagsgegenständen. Ein besonderer Schatz sind die zahlreichen historischen Buchobjekte. Sie stammen teilweise aus dem 16. und 17. Jahrhundert und sind Erstausgaben. Diese historischen Bücher sind Teil des musealen Sammlungsbestandes, nicht der Dienstbibliothek.

Die Sammlung wird stetig erweitert. Zur Ausstellungsvorbereitung muss die aktuelle Forschungsliteratur angeschafft werden. Auch für die fundierte Inventarisierung der Objekte und die Pflege der Sammlung ist die einschlägige Literatur notwendig.

Die Bibliothek wird durch die Mitarbeiter ständig genutzt, da ohne sie das wissenschaftliche Arbeiten unmöglich ist. Aber auch für externe Benutzer ist der Zugang zur Bibliothek auf Anfrage möglich. Die Bestände sind über den Zettel-Katalog, der sukzessiv digitalisiert wird, einsehbar. Der Online-Katalog ist über die Homepage des Stadtarchivs aufzurufen.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

17. März 2017

Die Gleichzeitigkeit des Ungleichen…

…findet sich im Museum an vielen Orten. Sei es im Depot, in der Ausstellungvorbereitung oder bei der Stickstoffbehandlung. Objekte die  historisch, sozial, ökonomisch, von Herstellung, Material, Nutzung und Gebrauchszusammenhang niemals eine Gleichzeitigkeit erfuhren, treffen hier im Museum aufeinander. Ein Umstand und ein Thema, das mich immer wieder begeistert  oder, je nach Objekten, auch berührt.

Heute traf ich zunächst Luke, Leia, Darth Vader und Han Solo, einen Raum weiter barocke Schnallenschuhe ohne Schnallen.

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

10. März 2017

Body, Senses, Affects and Emotions im Museum

Vom 26. bis zum 30. März veranstaltet die International Society for Ethnology and Folklore in Göttingen den alle zwei Jahre tagenden SIEF-Kongress . Die dreizehnte Auflage der internationalen Zusammenkunft von Ethnologen/-innen, Kulturanthropologen/-innen und Volkskundlern/-innen findet erstmalig in Deutschland statt. Unter dem Motto Ways of Dwelling: Crisis – Craft – Creativity beschäftigen sich die bis zu 800 Teilnehmer in Arbeitsgruppen mit der Erforschung und der Entwicklung der verschiedenen Lebensumfelder und Wohnräume, die durch die sich verändernden Lebenswirklichkeiten geprägt sind.

Die Arbeitsgruppen Museum and material culture und Body, Senses, Affects and Emotions werden ein Lunch-Meeting im Städtischen Museum abhalten.

 

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

2. März 2017

Über den Dächern von Göttingen

Hoch oben im Dachreiter des Alten Rathauses hängt die alte Rathausglocke, die nun restauriert werden soll. Durch die Renovierungsarbeiten am Gebäude und das dafür aufgestellte Gerüst ist eine Deinstallation der Glocke möglich.

Alter und Herkunft der Glocke sind nicht bekannt. Aufschlussreiche Informationen sind durch die Expertise des Experten zu erwarten. Allerdings weiß man, dass das Exemplar zeitweise im Städtischen Museum aufbewahrt wurde oder ausgelagert war, bevor 1906 der Dachreiter neu eingedeckt und eine Uhrenanlage installiert wurde. Seit diesem Zeitpunkt schmückt die Glocke wieder das Rathaus.

Rathausglocken sind in Göttingen schon seit 1340 belegt. Sie wurden zu den Ratssitzungen geläutet oder bei Gerichtsverhandlungen – daher rührt auch der Name „Armsünderglöckchen“.

 

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

24. Februar 2017

Seite für Seite

Das Restaurieren von historischen Büchern ist eng mit der Papierrestaurierung verwandt und erfordert sehr viel Geduld und Präzision. Jede Seite muss einzeln mit entsprechendem Werkzeug vom oftmals jahrhundertealten Schmutz und Staub befreit werden. Bei umfassenden Werken wie einer Bibel kann die Reinigung daher auch mehrere Tage dauern. Kleine und große Risse, ausgefranste Kanten und Löcher werden mit hauchdünnem Japanpapier Stück für Stück ausgebessert und stabilisiert. Dadurch wird die Lesebarkeit der Buchtexte erhöht und auch nachfolgende Schäden beim Blättern vermieden. Lose Seiten müssen in den Buchblock wieder eingebunden werden, indem der Buchdeckel abgenommen wird und die Seiten neu eingeheftet werden. Dazwischen heißt es immer wieder warten bis Verklebungen getrocknet und Knicke und Falten der Seiten durch Gewichte geglättet sind.

Die Buchbindermeisterin und Restauratorin Ameli Stock aus Göttingen restauriert zurzeit im Museum zahlreiche historische Bücher, darunter viele aus der Zeit der Reformation. In der neuen Sonderausstellung „1529 – Aufruhr und Umbruch“ werden diese Bücher zum Teil erstmalig ab dem 9. April präsentiert.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

17. Februar 2017

Inside the Museum: Das Fotoarchiv

Museen sind nicht einfach nur Ausstellungsfläche. Neben den Ausstellungsräumlichkeiten gehören zahlreiche Abteilungen und Sammlungsbereiche zu einem Museum, die für den Besucher nicht sofort sichtbar sind, aber für die Museumsarbeit wichtig und unerlässlich. In den nächsten Monaten werden in der Reihe „Inside the Museum“ daher einzelne Bereiche hinter den Kulissen unseres Hauses vorgestellt, heute das Fotoarchiv.

Unser Fotoarchiv ist in der Alten Posthalterei untergebracht. Der Sammlungsbestand umfasst etwa 60000 Lichtbilder, die als Negative, Diapositive, Glasplatten und Papierbilder vorliegen. Ein besonderes Highlight sind die äußerst seltenen Daguerreotypien, die aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen. Sie sind von dem bekannten Göttinger Porzellanmaler Philipp Petri gefertigt worden und in ihrer Werkgeschlossenheit einmalig.

Motivischer Schwerpunkt der Sammlung ist die Stadt Göttingen und ihre nähere Umgebung. Die Sammlung beinhaltet historische und moderne Aufnahmen von privaten und öffentlichen Gebäuden, Unternehmen, Geschäften, Denkmälern, Straßenzügen, wichtigen Persönlichkeiten und Ereignissen in und um Göttingen. Zahlreiche Nachlässe von Pressefotografen des Göttinger Tageblattes ergänzen den Bestand auf vielfältige Weise. Durch dieses umfassende und breite Spektrum ist es nicht verwunderlich, dass die Sammlung die größte ist, die von fotografischen Aufnahmen der Stadt Göttingen überhaupt existiert.

Die Sammlung dient vor allem Forschungszwecken und bietet einen reichhaltigen Fundus für das Studium der Stadtgeschichte. Auch für verschiedene Publikationen wird das Archiv als Dokumentationsquelle genutzt. So stammt der überwiegende Anteil historischer Aufnahmen, die in der Presse veröffentlicht werden, aus dem Städtischen Museum.

Für unsere Museumsarbeit ist das Archiv unverzichtbar. Die letzte und reich mit Fotografien illustrierte Sonderausstellung über die Chanson-Sängerin Barbara konnte mit unseren eigenen Werken aus dem Fotoarchiv bestückt werden.

(Saskia Johann, wissenschaftliche Volontärin)

3. Februar 2017

Der, die, das Dingsda

Im Museum erlebe ich immer mal wieder „Dings vom Dach – Momente“*. Während der Umlagerung unserer Objekte in das neue Depot sah ich viele Stücke zum ersten Mal. Und hin und wieder schwebte ein großes Fragezeichen über Objekt und Kuratorin: Was und wofür ist das denn wohl? So auch unter anderem bei einem Objekt aus Fayence, 1899 ins Haus gekommen, weiß, unbemalt, glasiert, hier auf der Abbildung hinten links.

Nun kann leider die Erschließung des Museumsbestandes nicht immer auf Platz eins der alltäglichen To-Do-Liste in einem Museum stehen. Und so verblasste die Frage nach Funktion und Einsatz dieses Gegenstandes langsam.

Eines Tages kam eine Anfrage, ob das Museum über Taschenuhrenständer verfüge. Beigefügt war ein Artikel über Taschenuhrenständer. Dazu der Hinweis, dass Taschenuhrenständer aus allen vorstellbaren Materialien hergestellt wurden. Und auf einmal lichtete sich das Dunkel, und die Funktion einiger bislang rätselhafter Objekte in unserer Sammlung wurde klar. Es waren alles Taschenuhrenständer! Alle zusammen bilden sogar einen Zeitraum von knapp 300 Jahren ab.

 

 

Hier nun unsere Kollektion von Taschenuhrenständer vom 18. Jahrhundert bis zum frühen 20. Jahrhundert. Sie sind aus Metall und Samt, Fayence, Holz, Pappmaché sowie Pappe bezogen mit Luxuspapier.

 

*hr-fernsehen, nächster Sendetermin: 19.03.2017

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)

27. Januar 2017

Work in progress

Die Vorbereitungen zu unserer neuen Sonderausstellung 1529 – Aufruhr und Umbruch sind im vollen Gange. Der ein oder andere Besucher wird sicherlich schon die hie und da stehenden grünen Ausstellungsmöbel gesichtet haben.abb-1 Diese sind Teil der neuen Sonderausstellung und müssen aufgrund des anhaltenden Platzmangels bereits in den Ausstellungsräumen platziert werden.

Zurzeit wird auch das große Belagerungsgemälde von unserer Restauratorin Viola Bothmann gereinigt. Wegen der überdimensionalen Ausmaße des Werkes von 3,80 m wird diese Arbeit vor Ort durchgeführt. Um die Rückseite des Gemäldes ebenfalls einer Reinigung zu unterziehen, musste das Bild auf dem Treppenabsatz im Hardenberger Hof gedreht werden. Es war eine Meisterleistung unseres Teams, denn es klappte alles reibungslos.abb-2

Die Ausstellung, die am 9. April eröffnet wird, gibt Einblicke in die Ereignisse des Göttinger Reformationsjahrs von 1529. Die Besucher dürfen gespannt sein. Es werden zahlreiche noch nie gezeigte Objekte präsentiert, und die bereits bekannte Kirchenkunst-Sammlung wird durch neue inhaltliche Schwerpunkte in ein neues Licht gesetzt.

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

19. Januar 2017

Whist –das komplizierteste Spiel der Welt?

In den Wintermonaten ist es mal wieder Zeit für ein schönes Gesellschaftsspiel. Neben den Klassikern Monopoly und Mensch ärgere Dich nicht sind Siedler von Catan, Tabu oder Trivial Pursuit sehr beliebt. Aber was spielte man eigentlich vor 100 oder 200 Jahren?

Das Städtische Museum verfügt über eine große Sammlung von historischen Spielen. Ein beliebter Zeitvertreib des 18. und 19. Jahrhunderts war Whist. Das Kartenspiel ist aus dem Bridge hervorgegangen. abb-1

Whist wird mit vier Personen gespielt, die paarweise zusammenspielen. Es wird ein Kartenspiel mit einem 52er Blatt benötigt. Jeder Spieler erhält 13 Karten. Die letzte ausgegebene Karte bestimmt die Trumpffarbe. Die Spielerpaare müssen versuchen, möglichst viele Stiche zu erhalten. Die ausgespielte Farbe muss immer bedient werden. Falls dies nicht möglich ist, kann auch getrumpft oder abgeworfen werden. Wie bei jedem Spiel gibt es verschiedene Taktiken und Strategien beim Ausspielen der Karten.

Soweit so gut zum Spielablauf. Die Berechnung der Punkte ist auch für mich als Spiele-Fan sehr abb-2schwierig zu verstehen. Für die einzelnen Stiche werden den beiden Parteien Punkte gutgeschrieben, die auch als Tricks bezeichnet werden. Hier gibt es zahlreiche Kombinationen, die z.B. Kleinschlemm, Robber oder Gegenrobber heißen und sich nach der Anzahl der Stiche unterscheiden. Um die Verwirrung komplett zu machen, werden wiederum für die unterschiedlichen Tricks Points angerechnet, die mit Spielmarken auf den Tisch ausgelegt werden. Auch hier gibt es verschiedene Variationen zum Legen dieser Marken.

Es erschließt sich mir sehr gut, warum das Spiel nicht verbreiteter ist – es ist sehr kompliziert!

(Saskia Johann, wiss. Volontärin)

13. Januar 2017

Rita und Barbara

Für eine Produktion des Deutschlandradios Kultur besuchte die ehemalige Bundestagspräsidentin Dr. Rita Süssmuth mit der Journalistin Renate Schönfelder ihren alten Wahlkreis Göttingen, den sie zwischen 1987 und 2002 im Bundestag vertrat. Verschiedene Institutionen, Orte und Plätze, die mit ihrer Tätigkeit in Göttingen verbunden waren, standen auf dem Programm. Auch ins Städtische Museum führte sie ihr Weg.

Vor dem Museum wartete ich auf Frau Süssmuth, die mir gewohnt dynamisch entgegenkam. Wie meistens bei solchen Produktionen war der Zeitplan im Verzug. Trotzdem entspann sich sofort ein lebendiges Gespräch über Barbara und das Lied „Göttingen“. Und nur die Hinweise des Redakteurs auf die knappe Zeit beendeten den lebhaften Austausch.

Ausgestrahlt wird der Bericht am Sonntag, den 15.1.2017, um 11:05 Uhr im Deutschlandradio Kultur.

Am 17. Februar wird Rita Süssmuth 80 Jahre. Herzlichen Glückwunsch schon mal an dieser Stelle!

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Rita Süssmuth erhält die Ausstellungsbroschüre zur Barbara-Ausstellung.

 

 

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Rita Süssmuth und das Radio-Team bewundern im Garten des Museums die Barbara-Rose.

 

 

 

 

(Andrea Rechenberg, Kuratorin)